Arend Oetker:
Die Universität der Zukunft

Die Universität der Zukunft wird ein Ort sein, an dem die unterschied-

lichsten Menschen ihren Platz finden.


Auszug aus einer Ansprache am 23. Oktober 2007 in Frankfurt/Main
an der Goethe-Universität Frankfurt



An der Universität der Gegenwart bemisst sich der Status eines Professors an seinen Leistungen in der Forschung. Im Hochschulalltag steht die Lehre in ihrem Schatten. Engagement in der Forschung ist prestigeträchtig und karriereförderlich, die Lehre gilt dagegen als Abstellgleis für diejenigen Personen und Institutionen, die in der Forschung nicht reüssieren.

Weil exzellente Lehre keinen Reputationsgewinn erwarten lässt, wenden sich gerade die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ihr ab mit der Folge, dass es zunehmend weniger Vorbilder für exzellente Lehre gibt, die Reputation noch weiter sinkt, noch weniger Nachwuchs für ein Engagement in der Lehre begeistert werden kann und so weiter und so weiter.

Die Zeit ist reif für eine Qualitätsoffensive für die Lehre – damit überfüllte Seminare, Abbrecherquoten von 45 Prozent in den Kulturwissenschaften oder 40 Prozent bei Informatikern ebenso der Vergangenheit angehören wie Professoren, die im Durchschnitt 75 Studenten betreuen. 2007 war das Jahr der „Exzellenzinitiative“ für die Forschung. 2008 muss das Jahr der Lehre werden.

Ich stelle mir die Universität der Zukunft als einen Ort vor, an dem die unterschiedlichsten Menschen ihren Platz finden: Wissenschaftler, die mit Leidenschaft forschen; Professoren, die mit Hingabe lehren; Studenten, die die Universität als Tor zu einer steilen Wirtschaftskarriere zügig durchlaufen wollen. Die Universität der Zukunft wird aber auch ein Platz für diejenigen freien Geister sein, die ihr Talent an die Beschäftigung mit dem Entlegenen und vordergründig Nutzlosen verschenken. In diesem Sinn wird die Universität der Zukunft ein "Lebensort" (Walter Zimmerli) sein.

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