Arend Oetker:
Erfolgreiche Alumniarbeit
beginnt am ersten Studientag
In der Beziehungspflege zu den eigenen Absolventen müssen
manche Hochschulen umdenken.
Gekürzte und überarbeitete Fassung einer Rede auf der 15. Jahreskonferenz
des Verbandes der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum e.V.
am 7. Mai 2010 in Berlin
Neuerdings richten sich die Hoffnungen vieler deutscher Hochschulen auf einen
Beitrag dankbarer Absolventen zur Finanzierung von Forschung und Lehre.
Der Blick in die USA zeigt, dass diese Hoffnung nicht ganz unbegründet sein
muss. Die US-Eliteuniversität Yale hat 40.000 bis 50.000 Spender im Jahr.
Rund 45 Prozent der Alumni spenden jedes Jahr. Manche können nur Klein-
beträge geben, andere spenden Millionen. Sie tun dies, weil die Hochschule
ganz bewusst und gezielt eine persönliche Beziehung zu den Alumni aufge-
baut hat und pflegt.
Auch hiesige Hochschulen haben seit einigen Jahren die Alumniarbeit für
sich entdeckt. Die strukturierte Beziehungsarbeit zwischen einer Hochschule
und ihren Absolventen ist inzwischen aus der deutschen Hochschullandschaft
nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam ist allen Initiativen, dass die Hoch-
schulen ihre Absolventen dafür gewinnen wollen, etwas für ihre Hochschule
zu tun und ihr etwas zurückzugeben. Sei es als Botschafter ihrer Hochschule,
sei es als Vorbild für Studenten, sei es als Vermittler von Wissen aus der
Praxis. Sei es als Ratgeber, Arbeitgeber oder Stifter, Spender und Mäzen.
Damit aber die Aufbauarbeit der Hochschulen in den Bereichen Alumnibe-
treuung und Fundraising wirklich von Erfolg gekrönt sein kann, müssen
manche Hochschulen umdenken. Alumniarbeit kann nur erfolgreich sein,
wenn sich die Absolventen gerne an ihre Alma Mater erinnern. Die Alumni-
arbeit beginnt, lange bevor ein Absolvent die Hochschule verlässt. Für ein
erfolgreiches Fundraising werden schon am ersten Studientag die Grund-
lagen gelegt. Oder eben nicht.
Mit gelangweilten Professoren, überfüllten Seminaren, undurchsichtigen
Studienordnungen, vergriffenen Fachbüchern kann keine Hochschule
Werbung für sich machen und auf dankbare Alumni hoffen, die ihre
Herzen und Geldbeutel öffnen.Deshalb ist es unerlässlich, dass ein
Gedanke die ganze Hochschule durchdringt: An der Zufriedenheit der
Studierenden bemisst sich der Erfolg. Auch an einer Universität muss
der Studienerfolg der Studenten im Gleichklang mit den Forschungs-
interessen der Professoren kommen. In der Verbindung beider Seiten
besteht die Herausforderung der Hochschulen.
Der Autor
Dr. Arend Oetkerist Unternehmer
und Präsident des
Stifterverbandes
für die Deutsche
Wissenschaft.
Info zur Person
Ilka Hoepner schrieb am 2010-08-05 10:24:11
Alumni-Bindung ist das A und O für die Zukunft der Hochschulen. Dies ist aber auch ein langfristiger Prozess, der derzeit an vielen Hochschulen mit Mitarbeitern mit Zeitverträgen, geringen Budgets und teilweise unfreiwilligem Engagement betrieben wird. Ständig wechselnde Zuständigkeiten, Finanzierungsunsicherheiten oder fehlendes Wissen können keine Bindungsbasis darstellen. Eine weitere Grundvoraussetzung für erfolgreiche Alumni-Bindung ist oftmals nicht vorhanden. Als Mitarbeiter oder Professor einer Uni kann ich nur mein Gegenüber wertschätzen, wenn ich selber die Wertschätzung innerhalb der Hochschule erfahre! Es scheitert aber gerade oft an Managementstrukturen und professioneller Führung, die dies ermöglichen könnten Die Bindung der zukünftigen Alumni fängt schon vor dem ersten Semester an. Die On- und Offline-Aufbereitung der Studieninformationen für Zielgruppen ist entscheidend für den Verlauf der Zufriedenheit. Aber auch die ersten Informationsgespräche vor Studienbewerbung entscheiden über den Weg des Interessenten. Wie viele Studienbewerber entscheiden sich bereits im Vorfeld einer Bewerbung gegen eine Uni, weil sie unzufrieden sind? Gut funktionierende Alumni-Netzwerke können die Qualität der Wertschätzung enorm beeinflussen und helfen Zufriedenheits-Strukturen aufzubauen. Ilka Hoepner i.hoepner (at) ilka-hoepner.de