Arend Oetker:
Wirtschaft hält Kurs bei
Forschung und Entwicklung


Deutsche Unternehmen investieren trotz Krise in Forschung und

Entwicklung. Die Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnern nehme

zu, der Forschungsstandort Deutschland bleibe attraktiv, eine steuer-

liche Forschungsförderung könne aber zusätzliche Impulse geben.


Das Interview erschien in der Zeitschrift "Euro am Sonntag"
vom 11. April 2010.



Leisten die deutschen Unternehmen tatsächlich genug FuE-Aufwand,
um für künftiges Wachstum gerüstet zu sein?

Ja. Die Wirtschaft hat mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nach-
kriegszeit ihre FuE-Aufwendungen stabil gehalten. Das ist wirklich bemer-
kenswert und zeugt von hohem Verantwortungsgefühl – für das Land,
aber natürlich auch für die eigenen langfristigen Geschäftsperspektiven.


Wie ist die verstärkte Nutzung externer Kapazitäten (Zulieferer, Kunden,
Unis, Forschungseinrichtungen) bei Innovationsprozessen zu sehen?


Das ist ein klarer Trend und für alle Seiten von Vorteil. Die Unternehmen
bekommen von den Universitäten und Forschungsinstituten das frischeste
Wissen, das man sich denken kann. Die Hochschulen behalten dank des
Kontakts zur Wirtschaft die Bodenhaftung.


Wie groß ist die Gefahr, dass Unternehmen ihre FuE-Aufwendungen auch
wegen günstigerer steuerlicher Förderung verstärkt ins Ausland verlagern?

Sie wäre jedenfalls deutlich kleiner, wenn Deutschland eine steuerliche FuE-
Förderung hätte wie die meisten anderen OECD-Länder. Ich bin inzwischen
ganz guter Dinge, dass eine Steuerprämie kommt. Die Forschungsunion, der
Beraterkreis der Bundesforschungsministerin, hat lange genug dafür geworben.
Ansonsten gilt: Dank der "Clustereffekte", einer sehr guten wissenschaftlichen
Infrastruktur und gut ausgebildeten Fachkräften, ist und bleibt Deutschland ein
attraktiver Forschungsstandort.


In welchen Bereichen sehen sie FuE-Defizite bei den Unternehmen (zum
Beispiel Elektroautos usw.)?


Echte Defizite sehe ich nicht. Es gibt allerdings eine Dominanz des Auto-
mobilsektors, deshalb sind die Technologieentwicklungen dort besonders
bedeutsam. Die Autokonzerne und ihre Zulieferer geben jeden dritten
Forschungseuro der Wirtschaft aus.


Wie wird sich der FuE-Aufwand der deutschen Wirtschaft 2010 entwickeln
(nach 57,3 Mrd. Euro 2009)?


Nach den Erhebungen der Stifterverband-Wissenschaftsstatistik, die auf Unter-
nehmensangaben aus dem letzten Jahr beruhen, könnte es einen leichten
Rückgang geben. Das kann aber – wenn weiter positive Konjunkturnachrichten
kommen – auch anders kommen.

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