Andreas Schlüter:
Ergänzung statt Konkurrenz

Die Einwände gegen das deutschlandweite Stipendienmodell für

Studenten gehen an der Sache vorbei.



Die Bundesregierung will mehr Studenten als bisher mit einem Stipendium
unterstützen. In einigen Jahren könnten zehn Prozent der rund zwei Millio-
nen Studenten in den Genuss der Förderung kommen, hofft das Bundesfor-
schungsministerium. Das Geld, 300 Euro pro Monat und Stipendiat, soll
von privaten Geldgebern und dem Staat gemeinsam bereitgestellt werden.
Die Hochschulen sollen den privaten Anteil selbstständig einwerben und
die Stipendien eigenständig verteilen. Dagegen gibt es Widerstand von
linken Studentengruppen und – das ist überraschend – vom Bundesver-
band Deutscher Stiftungen. Schaut man genauer hin, lösen sich die
Einwände schnell in Luft auf.

Kritiker aus dem linken politischen Spektrum befürchten, dass die För-
derung nur einer schmalen Elite zugute komme. Der aktuelle Gesetzent-
wurf für das nationale Stipendienprogramm schließt aber genau das aus.
Da die Stipendien nicht auf das BAföG angerechnet werden, wie es der
Stifterverband von Beginn an gefordert hatte, profitieren begabte Studie-
rende aus einkommensschwachen Familien gleich doppelt von der För-
derung. Zudem ist sichergestellt, dass das Stipendienmodell nicht auf
Kosten anderer Formen der Studienförderung geht. Es gilt das Wort von
Bundesforschungsministerin Annette Schavan, das BAföG als tragende
Säule der Studienfinanzierung auszubauen.

Der Bundesverband steht dem nationalen Stipendienmodell reserviert
gegenüber, weil er eine Gefahr für eigene Förderlinien großer Stiftungen
sieht. Dabei wird aber völlig verkannt, dass in erster Linie Wirtschafts-
unternehmen, Privatpersonen und Alumni als Förderer gesucht sind und
nicht große Stiftungen mit eigenen etablierten Stipendienmodellen. Nie-
mand will bestehende Förderlinien unter das Dach der bundesweiten
Initiative zwingen, allein schon, weil frisches zusätzliches Geld in die
Studienförderung fließen soll. Hier könnte sich gerade die Kombination
aus privater und öffentlicher Förderung bei dezentraler Vergabe durch
die Hochschulen noch als mächtiger Hebel erweisen, um neue Förderer
zu gewinnen. Gerade für Privatpersonen, Alumni und kleine Stiftungen
ohne eigene Geschäftsstelle eröffnen sich attraktive Möglichkeiten der
Talentförderung. Das nationale Modell konkurriert also nicht mit den
bestehenden Studienstipendien von Stiftungen, sondern ergänzt sie.
Keine Stiftung müsste auf eigene Programme zu verzichten, könnte
sich aber zusätzlich am nationalen Programm beteiligen, so wie es
die Telekom-Stiftung in Nordrhein-Westfalen tut.

Ein anderer Einwand lautet, dass Hochschulen mit der Vergabe von
Stipendien und dem damit verbundenen Fundraising überfordert seien.
Das mag in Einzelfällen noch so sein. In den letzten Jahren haben je-
doch viele Hochschulen ihr Fundraising professionalisiert. Auch der
Probelauf in Nordrhein-Westfalen für das bundesweite Stipendien-
system im letzten Jahr glückte. Dort hatten die Hochschulen binnen
weniger Wochen die private Kofinanzierung für die von Innovations-
minister Andreas Pinkwart ausgelobten Stipendien beisammen. Spä-
testens mit dem bevorstehenden Start des bundesweiten Programms
ergeht an alle Hochschulen im Land der Appell, sich dem Fundraising
im Interesse der eigenen Studenten aktiv zuzuwenden.

Kommentar hinzufügen

Der Autor

Links