Andreas Schlüter:
Studiengebühren in NRW –
Abschaffung mit Augenmaß
Es hätte schlimmer kommen können. Die rot-grüne Landesregierung
von Nordrhein-Westfalen beweist Augenmaß bei der Abschaffung der
Studiengebühren.
Beitrag für "Meinung & Debatte" vom 17. September 2010
Der Gesetzentwurf, der am 16. September im Landtag beraten wurde, sieht
eine dauerhafte Kompensation aus Landesmitteln vor. Das ist auch bitter nötig.
Denn die Hochschulen haben mit den zusätzlichen Einnahmen von rund 250
Millionen Euro jährlich deutliche Verbesserungen bei den Studienbedingungen
erreicht.
Dass die Studenten zukünftig paritätisch über die Verwendung der Mittel mit-
entscheiden sollen, ist ebenfalls klug. Schon bei der Verteilung der Studien-
gebühren hat sich der Dialog zwischen Studenten und Professoren bewährt.
Richtig ist auch, dass die Hochschulen mit einem kleinen Teil der Kompensa-
tionsmittel den Ausbau ihrer Hochschulstiftungen fortsetzen können. So ent-
stehen in einigen Jahren leistungsstarke Stiftungen, die in Studium und Lehre
und der Förderung talentierter Studenten nachhaltige Akzente setzen können.
Noch allerdings herrscht Verunsicherung an den Hochschulen. Angesichts der
prekären Hauhaltslage trauen viele Hochschulleitungen den Versprechen der
Landesregierung nicht. Darunter leiden Tutoren und Dozenten, die die bes-
seren Studienbedingungen erst ermöglichen und deren Verträge in diesem
Sommer oft nicht verlängert wurden. Hier muss die NRW-Landesregierung
nun Verlässlichkeit und Augenmaß zeigen. Die Hochschulen müssen auch in
den kommenden Jahren mit stabilen Budgets rechnen können.
Der Autor
Prof. Dr. AndreasSchlüter ist Gene-
ralsekretär des
Stifterverbandes
für die Deutsche
Wissenschaft.
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