Arend Oetker:
Für gute Bildungsbiographien brauchen wir die besten Autoren

Hat der Föderalismus in Bildungsfragen noch eine Zukunft? Stifter-

verbandspräsident Arend Oetker ruft Bund und Länder zur Zusam-

menarbeit auf.


Auszug aus einer Ansprache auf der Jahresversammlung des Stifterver-
bandes am 26. Mai 2011 in der Essener Villa Hügel



Unsere Länder brauchen offenbar Anreize für mehr Bildungsinvestitionen.
In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg sind oder werden
die Studiengebühren abgeschafft. Damit kann man zwar offenbar Wahlen
gewinnen, aber für die Hochschulen bedeutet das: Allein in NRW werden
250 Millionen Euro aus privaten Mitteln für die Hochschulen in Zukunft weg-
fallen.

Zwar versprechen alle Landesregierungen Kompensationszahlungen aus
Steuermitteln. Aber diese Zahlungen werden schon bald heruntergefahren.
In Hessen oder Hamburg ist das bereits passiert. Auch in Ostdeutschland ist
die Lage der Hochschulen alles andere als rosig angesichts einer schrump-
fenden Bevölkerung und angesichts von Landeshaushalten, die nur dank der
Solidarität reicherer Bundesländer halbwegs im Lot bleiben.

In dieser Situation sollte die Wirtschaft ihr Engagement auf dem derzeit
hohen Niveau beibehalten, wenn nicht gar steigern: Schon heute ist ihr
Anteil an der Finanzierung unserer Hochschulen hoch. Zahlen des Stifter-
verbandes zeigen: Mehr als eine Milliarde Euro fließt jährlich in Form von
Forschungsaufträgen aus den Unternehmen an die Hochschulen. Mehr als
zwei Milliarden Euro investieren die Unternehmen in akademische Bildung,
von Stipendien über Stiftungsprofessuren bis hin zur Förderung dualer
Studiengänge.

Bei aller Begeisterung über das hohe Engagement der Wirtschaft für die
Wissenschaft: Wir müssen zugleich aufpassen, dass sich die Länder nicht
langsam aus der Verantwortung für die Hochschulen schleichen. Föderale
Zuständigkeitsfragen gehören erneut auf den Tisch – von der Steuererhe-
bung bis hin zu Kooperationsgeboten und -verboten.

Ich bin davon überzeugt: Die bildungspolitischen Herausforderungen der
Zukunft werden Bund und Ländern weder gegeneinander noch getrennt
voneinander lösen. Sondern nur partnerschaftlich und gemeinsam.

Das gilt beispielsweise für die Lehrerbildung. Hier sollten Bund und Länder
eng kooperieren. Wenn wir ausreichend qualifizierten Nachwuchs sichern
wollen, müssen wir bei den Lehrern anfangen. Wir müssen dafür sorgen,
dass die besten Köpfe unseres Landes wieder verstärkt in den Klassen-
räumen landen und nicht nur in den Führungsetagen von Unternehmen
oder Ministerien. Um es mal so auszudrücken: Wenn wir gute Bildungs-
biographien schreiben wollen, brauchen wir die besten Autoren.


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