Web-Umfrage:
Tiere sezieren im Studium – ja oder nein?

Mainzer Biologiestudenten müssen bald keine Mäuse mehr sezieren.

Andererseits müssen sich angehende Biologen auch im Innenleben der Tiere auskennen.



Zum Hintergrund: Unispiegel, 5. Januar 2012




Christoph Larssen schrieb am 2012-01-06 10:25:01

Es gibt sicherlich vollkommen überflüssige Sektionen. Andererseits heißt es Lebenswissenschaften, und nicht Theorie der Lebenswissenschaften. Wie sonst soll man Erfahrungen sammeln und BE-GREIFEN im wörtlichen Sinn. Wir durften/mussten seinerzeit Weinbergschnecken, Flusskrebse und Kakerlaken sezieren - also eigentlich ein Kochkurs mit Dingen, die in jeder gehobenen Restaurantküche vorkommen ;-)

Jürgen Tentscher schrieb am 2012-01-07 14:50:53

Im Jahresverlauf überfahren tagtäglich alle Phärisäer gegen Tiersektion im Praktikum im Straßenverkehr viele Säugetiere, Reptilien und Amphibien. In den Schlachthäusern sterben unvoreingenommen 30 Mio. Schweine und 58 Mio. Kühe, auch Schafe, Ziegen. Insekten werden durch Insektizide und Herbizide (synergistisch) vernichtet. Die weltweite Artenvielfalt stirbt im lukullischen Angebot von Crustaceen, Mollusken, Fisces aller Warenhäuser wöchentlich auf den Tellern der deutschen Bevölkerung. Entgegengesetzt zum Massensterben brauchen wir zwecks Anschauung und Praxiserfahrung (haptisch) doch noch einige ausgewählte Naturobjekte fürs Praktikum.

Leo schrieb am 2012-01-07 15:04:44

Also, ich habe Biologie studiert und musste auch sezieren. Und im Nachhinein muss ich sagen, dass das absolut sinnlos war. Es gab keinerlei Wissenszuwachs. Man konnte danach höchstens sagen, man hat es halt mal gemacht. Abgesehen davon haben sich viele Studierende gar nicht so sehr für das Thema interessiert, gingen unvorbereitet in den Kurs, haben 2-3 Stunden in den Tieren rumgestochert und dann das Ganze wieder zu den Akten gelegt.

Dr. Anja Schemionek schrieb am 2012-01-07 15:34:26

Ich bin Biologin und wollte in meinem Studium auf Tiersektionen verzichten. Als es aber in einem Kurs dann nicht zu vermeiden war, habe ich festgestellt, dass 1. es hochinteressant war, 2. ich sehr viel, sehr schnellm lernen konnte und 2. das praktische Selbst-Tun nicht durch reine Theorie, einen Film o.Ä. zu ersetzen ist. Ich bin strikt dagegen, sinnlos Tiere zu töten. Für die Ausbildung von Biologen ist es jedoch nicht sinnlos, denn wer soll es sonst können? Wohin es eine/n Biologin/en im Laufe ihres/seines Berufslebens treiben wird, kann man im Studium nicht sicher sagen. Daher gehört die praktische Tieranatomie und -physiologie zum Basiswissen, das jede/r beherrschen sollte.

Anja schrieb am 2012-01-07 22:59:31

Grundsätzlich ist es unethisch ein Individuum für die eigenen Zwecke zu verletzen oder zu töten. Das kann man gar nicht rechtfertigen. Darüberhinaus ist das Sezieren vollkommen überflüssig, denn die Anatomie ist doch schon lange erforscht und dokumentiert. Computertomographie kann zudem eine Bildgebung gewährleisten, die den "in-echt-Effekt" an Einsicht und Präzision bei Weitem übertrifft. Es gibt viele Wege, sein Wissen zu vergrößern und sicher wird im Studium nicht alles ausgeschöpft, was möglich wäre und worauf man sich stattdessen konzentrieren könnte. Die Menge an Wissen, die angehäuft wird, steigt exponentiell, deren Nutzung und Zurkenntnisnahme ist aber leider bruchstückhaft, so dass die Studenten damit genug zu tun haben, ihren wissenschaftlichen Weg zu finden. Durch das Sezieren wird während des Studiums eine INSTITUTIONALISIERTE VERROHUNG anordnet, welche den Studenten einen blinden Fleck zufügt.

SATIS - Projekt für humane Ausbildung schrieb am 2012-01-09 10:41:56

SATIS spricht nicht dagegen, dass Biologen und Veterinärmediziner während ihrer Ausbildung Tiere sezieren. Wir fordern dazu jedoch, dass die Herkunft der Tiere für alle Kurse ethischen Gesichtspunkten folgen muss. SATIS hat darum einen Leitfaden veröffentlicht, die die Nutzung natürlich gestorbener bzw. aus medizinischen Gründen eingeschläferter Tiere erklärt, die vom Halter an die Universität gespendet wurden. Weiteres lesen Sie unter http://www.satis-tierrechte.de/alternativen/. Im November 2011 trafen sich Vertreter von SATIS (Bundesverbandes Menschen für Tierrechte) mit dem Zoologie-Professor Jürgen Markl und dem Vize-Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Ulrich Förstermann, zu einem Gespräch über den Tierverbrauch im Biologie-Studium. In diesem Gespräch einigte man sich darauf, die Studierenden des Studienganges Biologie von der Sezierpflicht im Fach Zoologie zu befreien und, dass es zukünftig auch möglich sein wird, das Physiologie-Praktikum tierverbrauchsfrei zu absolvieren.

Andrew Knight schrieb am 2012-01-09 15:55:42

Few students need to use animals as much as veterinary students. Yet, not even they need to harm animals to successfully complete their training. That includes the dissection of purpose-killed animals. Humane teaching options include high quality videos, computer simulations, ethically-sourced cadavers (from animals that have died naturally, in accidents, or been euthanised for medical reasons), models and surgical simulators, non-invasive self-experimentation and supervised clinical experiences. These are described in detail in my recent book, The Costs and Benefits of Animal Experiments (Palgrave Macmillan 2011). As a student I learnt veterinary surgery using models and ethically sourced cadavers, and by assisting with beneficial surgery on real patients, under close supervision – similarly to the training of physicians. I gained around five times the surgical experience of my classmates, and am a competent practicing veterinary surgeon today. Best of all, I have the knowledge that I didn’t harm or kill animals to complete my education. Further info is at www.HumaneLearning.info. Andrew Knight CertAW, PhD, FOCAE, MRCVS, DipECAWBM-AWEL Oxford Centre for Animal Ethics UK

Adeline Ranivoarisoa schrieb am 2012-01-11 07:45:23

Man braucht immer etwas, wenn man eine Recherche macht und Tiere ist auch ein Mittel darunter

Dr. Christiane Hohensee schrieb am 2012-01-14 13:25:20

Bei all den Diskussionen wird vergessen, dass es an der Zeit ist, die Universitätsbetriebe mit dem notwendigem Know-how und der Personalausstattung zu versehen, die eine moderne Forschung benötigt. Das heisst: es müssen Lehrstühle für Tierversuchsersatzverfahren flächendeckend eingeführt werden, um den zukünftigen Bedarf an gut ausgebildeten Nachwuchswissenschaftlern decken zu können. Die Nachfrage und das Angebot nach Stellen auf dem Gebiet der tiereinsatzfreien in vitro- und in silico-Forschung steigt NACHWEISLICH ständig. Und das deckt sich mit der zunehmenden Erkenntnis einschlägiger hoch-renommierter Wissenschaftler, dass Erkenntnisse zur Bekämpfung von Krankheiten oder Giftigkeitsprüfungen nur mit human-spezifischem Material zu gewinnen sind. Bloss in der Hochschullehre kommt das noch nicht an. Die entsprechenden Studiengänge müssen endlich umgestellt werden. Die Fragen in den Umfrage sind auch nicht geeignet, hier ein qualifiziertes Meinungsbild abzugeben. Es ist keine Alternative, Studenten, die nicht den Tierverbrauch wollen, in die Botanik oder Ökologie abzuschieben, wodurch sie ihre Studienzeit verwenden in die Arbeitslosigkeit studieren. Denn hier gibt es so gut wie KEINE STELLEN. ES IST UNGERECHT, DEN JUNGEN MENSCHEN IHRE CHANCEN VORZUENTHALTEN. Auch ein "Vermerk" Mainzer Professoren, dass jemand sich geweigert hat, am Sezieren teilzunehmen, ist nicht geeignet, hier guten wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen, denn Duckmäusertum hat die Welt der Wissenschaft noch nie vorangebracht, wohingehen kritische, moderne junge Menschen möglicherweise ihrer Chancen beraubt werden. Ich bitte darum, einmal darüber nachzudenken. Mit freundlichen Grüßen

Cari schrieb am 2012-01-18 17:42:44

Für Chirurgen werden ja auch nicht extra Menschen umgebracht, damit die Studenten sie sezieren können und wer mir jetzt sagt, dass nunmal Leichen-, oder Leichenteile zu Verfügung stehen... draußen gibt es genug verendete Tiere, Insekten und Amphibien...

Jürgen Tentscher schrieb am 2012-01-21 13:20:36

Nochmals: Grundvoraussetzung für ein zoolog. Praktikum ist leider noch nicht das adaptive, so gesellschaftlich anerkannte, in den pervertierten Ekelszenarien deutschlandweit begrüßte Dschungel-Camp. Curricular passte es dann doch nicht so richtig in den Fächerkanon. Übrigens: Universitäten sind kein rechtsfreier Raum, es gelten die Lex Generalis und Lex Secialis (Natsch- u. TierschG.) gleichermaßen für die Beschaffung und Verwendung von Naturobjekten in Praktika! Weniger ethisch-moralisch verpflichtet als kommerziell im Netzwerk unterworfen, so verdeutlicht es sich mir als altgedienter Biologe, sind die Bestrebungen in einer "Dummi-Dildophase" die Tierklassen als Silikonobjekte multimedial vernetzt im Praktikum kennenzulernen. Gilt doch: Wissenschaftliche Erkenntnisse durch natürliche Anschauung zu gewinnen. Doch auch für begeisterte Tierleichensammler wäre der Erfolg wegen der gesetzlichen Tierkörperbeseitigungsanstalt als relativ niedrig einzuschätzen, fürs Praktikum einen effektiven Beitrag zu leisten. Trotzdem, viel Spaß bei allen kognitiven Erfolgen. Aus der Wildniss ein Tschüss, eben stach doch eine Malariamücke und die Elefantenherde ruft.

katrin schrieb am 2012-01-23 18:31:14

sektionen machen im biologiestudium generell sinn, ABER es dürfen dafür keine tiere extra getötet werden! die professorInnen verstehen das leider viel zu oft nicht...die unis sollten endlich alternativen andenken...kritische studentInnen sollten nicht belächelt sondern gehört werden...

K. Richter schrieb am 2012-02-01 19:40:35

Das "Begreifen" ist auch möglich an verstorbenen Spendertieren, die vom Tierarzt oder aus dem Tierheim kommen. Ein Spendentierkörperprogramm kann auch in studentischer Eigeninitiative aufgebaut werden, wie in Freiburg geschehen. Der Leitfaden, den es dazu auf dieser Webseite gibt, erläutert die rechtlichen Voraussetzungen und das Verfahren und ist ausreichend um ein solches Projekt zu etablieren. (An den Veterinärmedizinischen Instituten funktioniert das schon gut in Eigeninitiative.) Auch die ethisch-moralische Entwicklung gehört zum Studium - es ist ein bildungsrelevanter Teil.

angelika schrieb am 2012-02-12 13:27:36

Sich mit dem Leben und dem Lebendigen auseinanderzusetzen macht meiner Meinung nach mehr sinn. Im toten Fleisch herumzuwühlen und dadurch das Leben begreifen zu wollen ist doch eh unlogisch. Respekt vor dem Leben und Respekt vor dem Tod würde den Menschen wirklich krönen. Am schlimmsten finde ich, das schon in den 5. Klassen auf dem Gymnasium die Kinder zum Sezieren genötigt werden. - Wer da nicht mitmacht, hat schlechte Karten! - Das finde ich ungerecht und mein eigener Sohn hat sich sehr geekelt und war sehr erschüttert von der Leichenfledderei-Partie in seiner Klasse.

Dr. Andreas Bode schrieb am 2012-02-16 17:15:47

Es geht darum Verantwortung gegenüber der Tiere zu entwickeln. Sicher sterben viele Tiere worauf wir keinen Einfluss haben. Aber dort, wo es vermeidbar ist, sollten wir die Alternativen wählen. Mit Spendertierprogrammen, die in der Veterinärmedizin bereits existieren oder wie im SATIS Hochschulranking genannt wurde auch in Dresden in der Biologie, kann auch ein Sezierkurs ermöglicht werden. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Mir scheint es manche Menschen seien regelrecht geil darauf Tiere extra für diese Zwecke zu töten.

Alina V, schrieb am 2012-02-18 17:23:48

Grundsätzlich bin ich dagegen Tiere nur der Wissenschaft wegen zu töten. Allerdings finde ich, es gehört zu einem Biologie-Studium dazu. Im Medizinstudium guckt man sich ja auch einen Menschen von innen an. Der Unterschied hier: Der Mensch war schon tot. Ich denke es gibt Alternativen. Man könnte mit Veterinären zusammen arbeiten und Tiere sezieren, die schon tot waren und nicht extra der Wissenschaft wegen getötet werden mussten. Dann seziert halt nicht jeder Student einen Frosch sondern es wird zum Beispiel eine schon tote Katze oder ein schon toter Hund in Gruppen seziert. Je nachdem, welches Tier gerade gestorben ist und bei welchem Tier der vorige Besitzer das Einverständnis gegeben hat.

Dr. Christa Pardeller schrieb am 2012-02-18 18:47:41

Tiere sind Lebewesen wie Menschen auch. Keine Tiere sezieren. Respekt vor dem Leben von Tier und Mensch. NICHT QUÄLEN UND NICHT TÖTEN. Außerdem hat jeder Gottes Gesetz und Gebot : nicht töten - einzuhalten. NICHT TÖTEN; NICHT QUÄLEN!!!!! Und Gott sieht alles