Trendstudie zur Zukunft der Wissenschaftskommunikation erschienen

Das Laienpublikum interessiert sich mehr denn je für Wissenschaft, hat aber stark gestiegene Ansprüche – Wissenschaftler, Journalisten, PR-Fachleute müssen deshalb kräftig dazulernen.


14. Oktober 2011

Trendstudie (Cover)Wo steht die deutsche Wissenschaftskommunikation heute, angesichts fundamentaler Veränderungen im Mediensystem? Was sind aktuell die größten Herausforderungen, welches viel versprechende Lösungswege?

Antworten gibt nun eine umfangreiche, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geförderte Trendstudie des Deutschen Forschungszentrums für Wissenschafts- und Innovationskommunikation (innokomm). Betrachtet werden dabei alle Spielarten der Wissenschaftskommunikation sowie deren gegenseitige Einflüsse – Journalismus, PR und innerwissenschaftliche Kommunikation.

Die Studie geht von einer Bestandsaufnahme unter gut 300 befragten Wissenschaftskommunikatoren aus, deren Ansichten von 30 Experten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen einer Delphi-Studie vertieft diskutiert wurden. Nach Einschätzung von Studienautor Alexander Gerber bricht – historisch betrachtet – gerade die fünfte Entwicklungsphase der Wissenschaftskommunikation an: von den Utopien der 1950er Jahre (1) über die frühen Aufklärungskampagnen (2) und die mit zunehmender Kritik auch immer umfassendere Wissenschaftsberichterstattung (3) bis hin zum "Public Understanding of Science and Humanities" (4). Phase 5 sei gekennzeichnet durch die Entwicklung des Internets zum neuen Leitmedium. Damit einher gehe eine Entgrenzung des Dialogs und der Themen.

Noch während der Vorhang fällt, beginnt der nächste, fünfte Akt mit der Suche nach neuen Konzepten, Formaten und Werkzeugen, meint Gerber. Phase 5 sei gekennzeichnet vom Bedeutungszuwachs des immer interaktiveren Internets als neues Leitmedium der Wissenschaft. So erlebe die PR, wie ihre über Jahre hinweg professionalisierte "Verpackungsindustrie" aus den Angeln gehoben wird. Grundlegend verändere das Web 2.0 auch die Kommunikation der Wissenschaftler untereinander, was einige etablierte Mechanismen des Wissenschaftssystems fundamental in Frage stelle.

Der Studie zufolge sind es aber vor allem die klassischen Wissenschaftsmedien, die schmerzhaft zu spüren bekommen, wie die Grenzen zwischen Individual- und Massenkommunikation verschwimmen. Ob sie es schaffen,
diesen Veränderungsdruck für eigene Innovationen zu nutzen, werde über die weitere Zukunft der Wissenschaftspublizistik entscheiden, so Gerber.


Bibliographische Angaben:
Vorhang auf für Phase 5 – Chancen, Risiken und Forderungen für die nächste Entwicklungsstufe der Wissenschaftskommunikation
Autor: Alexander Gerber
edition innovare. Berlin 2011
ISBN 978-3-9814811-0-5


Alexander Gerber ist Geschäftsführer des innokomm Forschungszentrums für Wissenschafts- und Innovationskommunikation. Der 38-jährige Informationswissenschaftler ist von Hause aus Journalist und leitete von 2004 bis 2010 bei Fraunhofer die Kommunikation des IuK-Verbunds. Er ist Beirat und Gutachter in diversen Fachverbänden, lebt und arbeitet in Berlin.

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