Kunstaugen. Augenkunst.
Augenprothetik von der Antike bis zur Gegenwart
Ausstellung des Museums für Glaskunst Lauscha/Thüringen
Eröffnung der Ausstellung 29.9.2011, 18.15 Uhr
Bereits vor mehr als 5000 Jahren wurden Skulpturen und Mumien mit künstlichen Augen versehen. Funde aus Mesopotamien und aus Ägypten zeigen eine Vielzahl von Gestaltungen und der hierzu verwendeten Materialien auf. In Rom gab es zur Herstellung von Kunstaugen in Statuen spezialisierte Handwerker. Gesicherte Überlieferung zum Einsatz künstlicher Augen als prothetischer Ersatz beim Menschen gibt es erst, seit der französische Chirurg
Ambroise Paré (1510-1590) solche aus Gold oder Silber anfertigen ließ, später aus Glas. In Deutschland gab der Würzburger Professor Heinrich Adelmann 1832 einen entscheidenden Impuls zur Weiterentwicklung der "modernen Augenprothetik", als er den Lauschaer Glasbläser Ludwig Müller-Uri zur Zusammenarbeit bei der Herstellung von Kunstaugen aus Glas gewann. Umfangreiche Untersuchungen zum Materialeinsatz, zur Optimierung der Augenform, zur Gestaltung der Iris sowie zu einer Vielzahl technischer Details waren erforderlich Müller-Uri und seine Nachkommen entwickelten ein Produkt, das bis in die Gegenwart allen materialtechnischen, gestalterischen und medizinischen Anforderungen gerecht wird.
175 Jahre deutsche Augenprothetik waren dem Glasmuseum Lauscha Anlass zur Entwicklung dieser Ausstellung mit einem Rückblick auf die geschichtliche, medizinische und technische Entwicklung des Kunstauges. Sie vermittelt nicht nur die Herstellungstechnik künstlicher Augen, sondern auch deren Vielfalt und Faszination.
Katalog "Kunstaugen .- Augenkunst" Lauscha 2010, 76 Seiten, 78 Abb., 14,90 €
In Bonn wird die Ausstellung erweitert um wertvolle Augeneinlagen von ägyptischen Mumienmasken, die - vermittelt vom Ägyptischen Museum der Universität Bonn - von einem Hamburger Privatsammler zur Verfügung gestellt werden. Diese frühen Kunstaugen, etwa aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr., sind noch aus unterschiedlichen Materialkombinationen wie Kupfer, Quarz, Bergkristall, Bitumen, Kalkstein usw. hergestellt.
Das Auge als künstlerisches Motiv ist das Thema einer vierteiligen Arbeit der Bonner Künstlerin Martine Metzing-Peyre. Ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema des Erblindens als äußerstem Schrecken für jede bildende Künstlerin, schuf sie übergroße Augenporträts im Stil des 18. Jahrhunderts, die sie später zu neuen Collagen verband.
Angesichts des eindrucksvollen Ausstellungsraums, den im Kunstmuseum Bonn der Bildhauer Raimund Kummer mit seiner Installation Hindsight Bias einnimmt, sollte ein Hinweis auf seine speziellen Arbeiten mit überdimensionalen Glasaugen nicht fehlen. Anstelle von Originalen zeigen wir Bücher und einige Fotos aus seiner Ausstellung "For your eyes only. Werke 1978-2009", im Kunstmuseum Bonn (5.-8.2009).
Abb. 1) Arbeitsschritte Montage
Abb. 2) Musterkasten
Info
Foyer des Wissenschaftszentrums vom
30. September bis
11. November 2011
Kontakt
Wissenschaftszentrum Bonn
Ahrstr. 45
53175 Bonn
Dorothea Lange
Tel.: (0228) 302 264
Fax: (0228) 302 270
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