NationalModerne

Weltausstellungsarchitektur


Kurator: Dr. Thomas Schriefers, Köln
Mit freundlicher Unterstützung durch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und die Deutsche Post DHL AG, Bonn

national_03Eröffnung der Ausstellung
Donnerstag, 30.09.2010
18.00 Uhr


Begrüßung
Heinz Rüdiger Grunewald
Geschäftsführer des
Wissenschaftszentrums Bonn

Einführung
Dr. Thomas Schriefers, Köln
Kurator der Ausstellung

 

 

 

Heute: balancity - der Deutsche Pavillon in Shanghai

Zur EXPO 2010 in Shanghai entstand der bisher größte Deutsche Pavillon auf einer Grundstücksfläche von 6000qm. Die Grundidee der Architektur von Schmidhuber + Partner spiegelt das Thema „balancity“, ein Kunstwort aus „Balance“ und „City“. Der Pavillon gliedert sich in zwei Bestandsteile: Landschaft und Baukörper, die harmonisch zusammen wachsen. Eine begehbare Terrassenlandschaft mit Veranstaltungsfläche erstreckt sich vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss. Darüber scheinen vier Ausstellungskörper zu schweben. Sie bilden ein Dach, das die Besucher, die durch die Landschaft wandern, vor Sonne und Regen schützt. Zwischen den Ausstellungskörpern und der Landschaft entsteht ein räumliches Spiel von innen und außen, Licht und Schatten, Enge und Weite.

Eine Erlebnistour beginnt für den Besucher im Erdgeschoss mit einem Parcours durch die Landschaft und führt in die Ausstellungskörper. Der Weg ist wie eine Promenade angelegt und führt den Besucher teilweise auf Stegen, teilweise auf Rollsteigen und Rollbändern durch die verschiedenen Ausstellungsbereiche. Dabei gehen zweigeschossige in eingeschossige über, die Steigungen und Wendungen der Räume moderieren den Besucherfluss. Am Ende der Erlebnistour steht die Show in einem hohen, vertikalen Theaterraum, die Energiezentrale.

Die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland auf der EXPO 2010, vertreten durch das Bundeswirtschaftsministerium wird durch die Koelnmesse International als Durchführungsgesellschaft verantwortet und von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon Shanghai GbR (ARGE), bestehend aus der Schmidhuber + Kaindl GmbH, München (Architektur und Generalplanung), der Milla und Partner GmbH, Stuttgart (Ausstellungs- und Mediengestaltung) sowie der Nüssli (Deutschland) GmbH (Ausführung und Projektmanagement) umgesetzt.

Kontinuität der Brüche: Die Präsentationen der Nationalstaaten wandelten sich in fast 160 Jahren Weltausstellungsgeschichte zuweilen radikal: die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Strömungen der jeweiligen Zeit beeinflussten die Gestalt des Bauwerks, die Wahl der Exponate und Medien – Ausdruck auch einer gewissen Kontinuität der Brüche.
Das zeigt die Folge deutscher Staatenhäuser seit 1876, die der Kölner Architekt und Zeichner Thomas Schriefers in einem 12 Meter langen Wandbild anschaulich darstellt.

Für den Abriss gebaut: Städte auf Zeit: Postkartengrüße. Die Architektur der Weltausstellungen ist temporärer Art. Ihre Bauten verschwanden so schnell wie sie entstanden sind. Daher erinnern nur wenige Monumente wie der Pariser Eiffelturm an jene Städte, die uns heute so fern sind, wie das sagenhafte Atlantis, dessen Legende in uns fantastische Vorstellungen erzeugt.Hilfreich sind die millionenfach verschickten Postkarten, deren Motive geeignet sind, Bilder zu vermitteln, die uns staunen lassen. Denn im privat bewahrten Reisegruß lebt die verlorene Architektur weiter, bereichert durch handschriftliche Kommentare und Grüße, die dem Massendruckerzeugnis individuelle Züge verleihen.Die vorgestellte Auswahl erlaubt Vergleiche: etwa den Wandel der Anschauungen in der Architektur, die Bedeutung von Nachbarschaften und Gegensätzen. Deutlich zeichnet sich auch der Wandel von Bildsprachen ab: erst wurden gezeichnete Motive koloriert – man beschrieb nur die Vorderseite; dann entstanden Schwarzweiß-Fotografien, schließlich farbige Bildpostkarten, die ausschließlich auf der Rückseite beschrieben wurden.Dabei lässt sich feststellen, dass die Wertschätzung dieses Mediums seitens der Veranstalter schließlich nachließ, was sich auch in der Ausführung und Qualität (= Anspruch) der Architekturpostkarten artikuliert.> Was bleibt? <Neben Postkartengrüßen, persönlichen Erinnerungen, privaten Fotografien und Dias sichern Bücher, Kataloge und Film-Dokumentationen das Zeugnis ephemerer Weltausstellungsveranstaltungen.Weltausstellungsbücher seit 1851 und zeichnen den Weg vom prachtvollen Foliantenband zum leicht gehefteten Ausstellungsbegleiter nach. Einen Schwerpunkt bilden Bücher der deutschen Abteilungen seit 1893. Sie entsprechen dem Gesamtauftritt deutscher Staaten im Sinne der heute viel beschworenen „corporate identity“ und veranschaulichen zuverlässig den Wandel der Anschauungen.

 

Abb.: 1
Deutscher Pavillon Expo Shanghai 2010
Architektur Schmidhuber + Kaindl / Ausstellung Milla + Partner

Abb.: 2
"Nationalmoderne" Colllage
Margret Schriefers, 2010

 

 

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