Valentina Pavlova
Die Ausstellung zeigte Portraits des 20. Jahrhunderts -
inspiriert durch Zeichnungen von August Sander
Valentina Pavlova (Jg. 1949) wurde u.a. an der Folkwang-Schule in Essen zur künstlerischen Fotografin ausgebildet, anschließend studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Elly Neumann. 1994 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Bonn für eine 48-teilige Arbeit die in besonderer Weise verschiedene künstlerische Gattungen miteinander verband: Malerei, Plastik, Fotografie/Röntgenaufnahme.
Jedes einzelne der "Bilder" entstand in einem langwierigen Prozess des Überdeckens immer neuer Schichten, in die Pigmentstreuungen als Silhouetten geometrischer Formen eingearbeitet sind. Das Ergebnis ist ein flaches Relief mit einer gipsähnlichen (Acrylgesso) Oberfläche.
Jedem dieser Bilder ist eine Röntgenaufnahme zugeordnet, worauf die überarbeiteten, verborgenen Elemente wieder erscheinen, die mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Mittels der Radiographie kann V. Pavlova "das Verschleierte veranschaulichen".
Auch in der Ausstellung ist das Thema das "Lichtbild", jedoch mit neuer Bedeutung. Inspiriert von dem Bildband "Menschen des 20. Jahrhunderts" von August Sander (1876-1964) schafft sie dessen Motive mit dem Pinsel neu. Sanders' Absicht, durch Fotografie eine dokumentarische, vorurteilsfreie Darstellung typischer Physiognomien und Körpersprachen unterschiedlicher Berufsstände, Geschlechter und Generationen ebenso hervortreten zu lassen, wie die jeweils individuelle Erscheinung der dargestellten Person, treibt Valentina Pavlova weiter. Indem sie Requisiten und Bühne soweit weglässt, dass selbst die Körperlichkeit zur Zeichenhaftigkeit reduziert wird, konzentriert sie die Aussage vollständig auf den Ausdruck der Linie. Die Linie zeichnet äußere Haltung und Mimik der Portraitierten in einer Weise nach, die deren Gestimmtheit und innere Haltung "durchscheinen" lässt und deutlich macht.
Für die Ausstellung wurden 40 der 84 Pinselzeichnungen ausgewählt und mit zehn Fotografien von August Sander kombiniert (Repros, Leihgaben des Rhein. Landesmuseums Bonn).
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