Die internationale Hochschule
Stifterverband und Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) haben zum zweiten Mal den Preis „Die internationale Hochschule“ verliehen: Im Mittelpunkt der Ausschreibung 2011 stand die internationale Dimension in der Lehre.
Der Preis wird jährlich verliehen und stellt jeweils verschiedene Aspekte der Internationalität deutscher Hochschulen in den Vordergrund. Er soll die besondere Bedeutung von Internationalisierung für die Profilbildung und Positionierung der deutschen Hochschulen sichtbar machen.
Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus Fachexperten in einem zweistufigen Verfahren. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro kann zur konzeptionellen Weiterentwicklung der internationalen Strategie der Hochschule sowie zur Implementierung neuer Maßnahmen in diesem Feld verwendet werden.
Preisträger 2011
Mit der Bauhaus Universität Weimar wurde eine kleine Universität mit großer Tradition und künstlerischem Profil als Internationale Hochschule 2011 ausgezeichnet. Sie ist ausgesprochen international ausgerichtet: 60 Prozent der deutschen Studierenden gehen ins Ausland. 15 Prozent der Studierenden und 9 Prozent der Lehrenden stammen aus dem Ausland. Entsprechend nachhaltig sind internationale Aspekte in der Lehre verankert. 40 Prozent der Lehrveranstaltungen finden in einer anderen Sprache als dem Deutschen statt, 50 Prozent sind international.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Jurymitglieder von dem Einfallsreichtum und der Freude, mit denen die Hochschulangehörigen neue Formate einsetzen und interkulturelle Kommunikation erproben. Eine besondere Stärke liegt hier neben den künstlerischen Ausdrucksformen in dem fortgeschrittenen Einsatz neuer Medien.
Aus der Bewerbung wurde deutlich, dass die Hochschule Internationalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als strategisch begründetes und gelebtes Qualitätsmerkmal und tagtägliche Bereicherung sieht. "Die Jury ist überzeugt, dass der Weg der Bauhaus-Universität für viele deutsche Hochschulen beispielhaft ist. Der internationale Campus wird hier überzeugend als einer gelebt, der alle Hochschulangehörigen in einen gemeinsamen Entwicklungsprozess einbindet und herausfordert, ihre spezifischen Kenntnisse und Erfahrungen in den Diskurs einzubringen", so die Begründung der Jury.
Auswahlkriterien
Bewerber sollten schlüssig und überzeugend darlegen, wie die internationale
Ausrichtung in die Gesamtstrategie ihrer Hochschule eingepasst ist. Interna-
tionalität wird dabei als selbstverständliches Element einer auf Wettbewerbs-
fähigkeit ausgerichteten Hochschule vorausgesetzt, sollte aber auch als Chance
für die fachliche und methodische Weiterentwicklung von Studium und Lehre
begriffen und plausibel gemacht werden. Dabei sollte als Leitfrage im Vor-
dergrund stehen, wo die Hochschule mittelfristig regional, national und inter-
national stehen möchte und mit welcher internationalen Ausrichtung dieses
Ziel am besten erreicht werden kann.
Ausgezeichnet wird jeweils die Hochschule als Ganze. Zur Bewerbung einge-
laden sind staatliche und private Universitäten, Fachhochschulen sowie Kunst-
und Musikhochschulen. Einzelne Fakultäten, Initiativen oder Projekte können
sich nicht bewerben. Allerdings wird der Darstellung von Einzelmaßnahmen
innerhalb der Bewerbung einer Hochschule in der Regel ein erheblicher
Stellenwert zukommen, da sich an diesen belegen lässt, wie strategische
Ziele in nutzerorientierte Angebote und somit auch in messbare Erfolge
umgesetzt werden. Besonderes Gewicht sollte dabei auf der Vorstellung
von Projekten und Initiativen mit Pilotcharakter liegen, die über den Stu-
diengang bzw. die Fakultät hinaus in die ganze Hochschule ausstrahlen.
Die diesjährige Ausschreibung legt den Schwerpunkt auf Strategien und Maß-
nahmen, mit denen die internationale Dimension in der Lehre gesichert und
weiter ausgebaut werden kann. Die Bewerbung sollte darlegen, in welchem
Maße die Lehre an der Hochschule über modellhafte internationale Studien-
gänge hinaus konsequent international geprägt und ausgerichtet ist.
Ferner ist ggf. anhand von Pilotprojekten zu zeigen, wie diese internationalen
Elemente gezielt genutzt werden, um die Qualität der Lehre zu steigern und
neue fachliche, methodische und didaktische Ansätze in den Curricula zu
verankern. Dabei sollte insbesondere mit Blick auf die internationalen Stu-
dierenden der Hochschule darauf eingegangen werden, wie Internationalität
der Lehre den Voraussetzungen und Erwartungen der zunehmend diversen
Zusammensetzung der Studierenden gerecht werden kann und wie die ver-
schiedenen Hintergründe die akademische Lehre bereichern. Schließlich gilt
es aufzuzeigen, welchen Beitrag die internationale Dimension in der Lehre
zur "Internationalisierung zu Hause" leistet und wie sie Studierende ohne
studienbezogene Erfahrung im Ausland einbezieht.
Kriterien für die Nominierung des Preisträgers sind insbesondere:
- die internationale Leistungsfähigkeit der Hochschule in Studium, Lehre und
Forschung (Erhebung der Daten durch DAAD) - das Internationalisierungskonzept und dessen Einbindung in die strategische
Ausrichtung der Hochschule ("Zukunftskonzept") - die Internationalität von Studium und Lehre (fremdsprachige Lehre, Fremd-
und Fachsprachangebot, international ausgerichtete Studiengänge, Hoch-
schullehrer aus dem Ausland, international ausgerichtete Fortbildungen
für Hochschullehrer etc.) - Integration internationaler Elemente in die Curricula (Curriculumsentwicklung
mit internationalen Partnern, Erprobung innovativer fachlicher, methodischer
und didaktischer Ansätze, Vorbereitung auf die Erfordernisse des globalen
Arbeitsmarkts etc.) - Einbeziehung internationaler Studierender und Wissenschaftler (Nutzung des
Potenzials zur Stärkung der internationalen Dimension, internationaler Input
in fachbereichsübergreifenden Austausch zur Curriculumsentwicklung etc.) - Internationale Lehre für alle Studierenden der Hochschule (Internationali-
sierung zu Hause, Kommunikations- und Lernformen der neuen Medien,
Vernetzung deutscher und ausländischer Studierender etc.).
Preisträger 2010
Ausgezeichnet wurde die Hochschule Reutlingen. Die erste Ausschreibung hatte
den Schwerpunkt auf Strategien und Maßnahmen, mit denen die Auslandsmobi-
lität der deutschen Studierenden im Zeichen von Bologna gesichert und perspek-
tivisch weiter ausgebaut werden kann. Dabei geht es sowohl um die quantitative
Steigerung als auch um die Erhöhung der akademischen und berufsbezogenen
Qualität der Ausbildungsabschnitte im Ausland sowie um deren Anerkennung
bzw. Einpassung in die Curricula an der Heimathochschule.