Ungleich besser!
Verschiedenheit als Chance
Ziel dieses Programms ist es, gemeinsam mit ausgewählten Hochschulen
Strategien und konkrete Maßnahmen zu entwickeln, wie mit Diversität im
Alltag produktiv umgegangen werden kann.
Die Hochschulen in Deutschland sind zunehmend durch eine heterogene Zu-
sammensetzung ihrer Studierendenschaft herausgefordert. Beispielsweise ist
bereits ca. jeder fünfte Studienanfänger ein Arbeiterkind. Knapp zehn Prozent
der Studierenden sind Bildungsausländer, acht Prozent besitzen einen Migra-
tionshintergrund. Mehr als 60 Prozent der Studierenden sind während der
Vorlesungszeit erwerbstätig und insoweit faktisch Teilzeitstudierende.
Bisher haben die Hochschulen in Deutsch-
land hierauf allenfalls punktuell reagiert,
sich aber noch kaum strategisch auf diese
Veränderungen eingestellt. Ausgangsgröße
für die Hochschulplanung ist häufig ein
"Normalstudent" – ein Abiturient deutscher
Herkunft, der unmittelbar nach dem Schul-
abschluss ein Vollzeitstudium absolviert und dieses als seinen Lebensmittel-
punkt betrachtet. Abweichungen von diesem Idealtypus werden weniger
als strategische Herausforderung und Chance zur Profilbildung betrachtet,
sondern als unliebsames Problem und Störung des Hochschulalltags.
Diversität bedeutet indessen (kulturelle) Vielfalt und Reichtum an (perso-
nalen) Ressourcen. Sie kann einer Hochschule Wettbewerbsvorteile bringen,
sofern die Verschiedenheit zur Entfaltung gebracht wird.
Benchmarking-Club und Diversity Audit
Acht Hochschulen, die sich bereits intensiver mit dem Thema Diversität und
ihren verschiedenen Facetten befassen, werden in einem Benchmarking-Club
ihre Erfahrungen austauschen und die Grundlagen und Kriterien für ein
Diversity-Auditierungsverfahren erarbeiten, das sie im Zuge dieses Prozesses
selbst durchlaufen.
Die Arbeit im Club ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt und läuft
bis Mitte 2012. Sie wird vom CHE Consult koordiniert und operativ begleitet.
Das Projekt wird zusätzlich unterstützt von der Otto-Wolff-Stiftung. Die
Hochschulen erhalten jeweils 25.000 Euro für die Anschubfinanzierung
einer konkreten Maßnahme zur Unterstützung studentischer Diversität.
Die ausgewählten Hochschulen und ihre Konzepte
Fachhochschule Brandenburg
Grenzen überschreiten – Diversity ermöglichen & gestalten
Das Konzept der FH Brandenburg zielt auf eine zeitliche und organisatorische
Flexibilisierung der Studienformate insbesondere für Studierende, die ein be-
rufsbegleitendes Studium absolvieren. So soll ein Mentor den Studierenden
als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung stehen und mit ihnen gemeinsam
eine individuelle, berufsbegleitende Studienverlaufsplanung entwickeln,
Tutorien und Vertiefungsveranstaltungen organisieren und durchführen.
Universität Bremen
Vielfalt als Tradition und Zukunft
Diversität soll an der Uni umfassend gefördert werden. Die Fördersumme soll
für die Sensibilisierung und Schulung in der Studienberatung eingesetzt werden.
Dafür sollen ein Grundlagenbaustein "Vielfältig starkes Studium" und ein Diver-
sity-Modul für die bereits bestehenden obligatorischen Tutoren- und Mentoren-
schulungen entwickelt sowie ein Beratungsleitfaden erstellt werden.
Das Projekt wird gefördert von der OHB System AG und der KAEFER Isolier-
technik GmbH & Co.KG.
Technische Universität Dortmund
DiWiki
Ein Team aus Studierenden, Lehrenden und administrativem Personal wird
eine internetbasierte Plattform Diversity-Wiki entwickeln. Diese soll grund-
legendes Orientierungswissen zum Umgang mit Verschiedenheit bereitstellen
und verschiedene Diversity-Initiativen zusammenführen. Die Mitarbeit an
dem DiWiki soll den Studierenden als Studienleistung angerechnet und bei
den Lehrenden als hochschuldidaktische Weiterbildung anerkannt werden.
Folkwang Universität der Künste
Diversität als didaktisches Prinzip im hochschulischen Lehr-Lern-Kontext
In Anbetracht eines Anteils von mehr als 30 % Studierenden aus aller Welt
stellt die Folkwang Universität die Idee der Internationalisierung in den
Mittelpunkt der im Rahmen von "Ungleich besser" geförderten Maßnahme.
Um die große kulturelle Diversität der Studierenden zukünftig auch in der
Hochschullehre angemessen berücksichtigen zu können, werden mit einer
qualitativen Erhebung die verschiedenen Lernerwartungen, Lernstile und
-strategien der internationalen Studierenden rekonstruiert und Bedarfe
abgeleitet, so dass zielgruppengerechte Maßnahmen entwickelt werden
können.
Das Projekt wird gefördert von der Geno Bank Essen eG.
Fachhochschule Gelsenkirchen
FH-Integrativ
Die Strategie der FH Gelsenkirchen zielt auf die Gewinnung von bisher
bildungsbenachteiligten Studierenden mit einem hochschulfernen sozio-
ökonomischen Hintergrund. Überproportional viele Jugendliche im Ein-
zugsgebiet kommen aus einkommensschwächeren Familien, in denen es
oft keine akademisch geprägten Vorbilder gibt. Sehr häufig handelt es
sich dabei um Jugendliche mit Migrationshintergrund. Um die Barrieren
zu überwinden, die diese Jugendlichen von einem Hochschulstudium
fernhalten, wird die Hochschule mit Hilfe des Förderbeitrags eine "Ein-
stiegs-Akademie" realisieren, die den Übergang von der Schule in die
Hochschule verbessern und mit gezielten Lernstrategien und Lehrange-
boten in Kernkompetenzbereichen wie Mathematik, Physik und Englisch
die Eingangsphase unterstützen.
Das Projekt wird gefördert von der Otto Wolff-Stiftung.
Evangelische Hochschule Ludwigsburg
Netzwerk für Antidiskriminierung und Diversity
Die einzige Hochschule in nicht-staatlicher Trägerschaft im Benchmarking-
Club widmet sich dem Diversitätsmerkmal der sexuellen Orientierung.
Neben dem Ausbau diversitätsbezogener Lehrangebote, etwa im Bereich
der Interkulturellen Mediation sowie der Sexualpädagogik, wird mit Hilfe
des Förderbetrags eine Antidiskriminierungshotline von Studierenden für
Studierende eingerichtet.
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Die hörsensible Universität
Das Konzept der Uni Oldenburg knüpft an das Diversitätsmerkmal körperlicher
Beeinträchtigung an. Eine bereits bestehende Clearingstelle bietet Beratung
für alle Studierenden an, die Probleme mit dem Hörverstehen haben. Der
Förderbeitrag soll für die Weiterentwicklung der Clearing-Stelle zu Gunsten
einer zusätzlichen Beratung internationaler Studierender verwendet werden.
Universität Osnabrück
Virtuelles Lernen zur Diversitätsunterstützung an der Universität Osnabrück (ViDiOs)
Die Uni Osnabrück verfügt über umfangreiche Erfahrungen bei der Entwick-
lung von E-Learning-Angeboten. Diese Angebote sollen nun gezielt an der
Diversität der Studierenden ausgerichtet werden. So sollen etwa durch zeit-
und ortunabhängige Lehrformate die unterschiedlichen Lern- und Aneig-
nungsformen der Studierenden unterstützt werden. Zu den anvisierten
Zielgruppen gehören insbesondere Studierende mit Kindern oder pflege-
bedürftigen Familienangehörigen.
Das Projekt wird gefördert von der Sievert AG & Co.KG.
Ansprechpartnerin
| Aktueller Stand Zur Halbzeit des Programms- haben Stifterverband und CHE Consult eine gemeinsame Ta- gung unter dem Titel "Ver- schiedenheit und ihre Folgen – Wie gestaltet sich Vielfalt an Hochschulen?" (29./30. Juni 2011 in Köln) organisiert. Mehr Info zur Tagung Die acht geförderten Hochschu- len wurden im Juli 2010 ausge- wählt. Der Benchmarking-Club hat seine Arbeit aufgenommen. |