Deutschlands erster Väterbeauftragter

Die Hochschulperle des Monats Juli 2010


Hochschulperle (Logo)Die Charité in Berlin hat
den bundesweit ersten
Väterbeauftragten. Jakob
Hein ist seit Anfang 2009
Ansprechpartner für alle
männlichen Mitarbeiter,
die erwägen, zur Betreu-
ung ihres Kindes in Eltern-
zeit zu gehen. Bei ihm
können sie sich über recht-
liche und vertragliche Rahmenbedingungen informieren, aber auch moralische
Unterstützung für die Durchsetzung ihres Vorhabens bekommen.

Immer noch finden die auf Männer durch eine Vaterschaft zukommenden
Veränderungen und Belastungen nur im geringen Maß gesellschaftliche
Beachtung. Viele Schwangerschaftsberatungsstellen verfügen bis heute über
keinen männlichen Berater. Auch Familienberatungsstellen bieten kaum
auf Väter zugeschnittene Beratungsangebote an. Mit ganz praktischen
Fragen zum Thema Vaterschaft werden die Männer meist allein gelassen,
sagt auch Jakob Hein: "Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich selbst
fünf Monate in Elternzeit war." Nach der Geburt seines ersten Sohnes vor
gut sieben Jahren hatte er dafür allerdings noch unbezahlten Urlaub nehmen
müssen.

Jakob Hein soll zwischen werdenden Vätern und ihren Vorgesetzten vermitteln
und sie von der Wichtigkeit zufriedener Eltern im Beruf überzeugen. Auch
die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Charité, Christine Kurmeyer,
freut sich über die Ernennung von Jakob Hein: "Das ist für alle Beteiligten
ein Gewinn: für die Väter, die Kinder und nicht zuletzt auch für die Frauen."
Dass Nachfrage besteht, bewies der Ansturm, den Hein erlebte, nachdem er
seine Tätigkeit aufgenommen hatte: mit zeitweise 30 Anfragen pro Woche.
Inzwischen hat er im Intranet für die rund 15.000 Beschäftigten der Charité
eine Info-Plattform eingerichtet.

In einem Punkt allerdings bleiben die Männer benachteiligt: Bisher ist Jakob
Hein Väterbeauftragter im Ehrenamt – und ohne eigenes Budget. Das mache
sich bei allem Engagement durchaus bemerkbar, sagt Jakob Hein. Dennoch:
"Väterbeauftragter zu sein ist eine feine Sache." Er könne jedem Unterneh-
men nur empfehlen, solch eine Position einzurichten, denn sie sei ein Signal
an die Beschäftigten.


Zur Person
Jakob Hein (Jahrgang 1971) ist Oberarzt und Psychiater an der Berliner Uni-
versitätsklinik Charité. Darüber hinaus ist er literarisch tätig und hat u.a. im
Rahmen der Berliner Lesebühne "Reformbühne Heim & Welt" zusammen mit
Wladimir Kaminer neue Formen für Autorenlesung erprobt.

Linkpfeil (schwarz, nach rechts)Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Krankenhaus
aufzaehlung_blank_1zeilig(Broschüre des Familienministeriums inkl. Interview mit Jakob Hein, PDF)
Linkpfeil (schwarz, nach rechts)Jakob Hein in der deutschsprachigen Wikipedia
Linkpfeil (schwarz, nach rechts)Website von Jakob Hein

Jan Fedder schrieb am 2010-12-15 14:11:33

Jakob Hein versteht es wie kein Zweiter, die Bedürfnisse von Vätern aus der Postmoderne mit beruflichen Erfordernissen zu verbinden, so dass letztlich eine optimale Motivation der Mitarbeiter gewährleistet ist.

Was ist eine Hochschulperle?