Erhebung von Grunddaten zu Zentren für Lehrerbildung in Deutschland

Eine neue vom Stifterverband geförderte Studie gibt Aufschluss

über den aktuellen Entwicklungsstand und die Leistungsfähigkeit

der Zentren für Lehrerbildung.


Die unter der Leitung von Dipl.-Päd. Birgit Weyand und Prof. Dr. Helga Schnabel-
Schüle (Zentrum für Lehrerbildung, Universität Trier) entstandene Studie gibt
einen hervorragenden Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand, der auch
Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der mehr als 50 Zentren für Lehrerbil-
dung an deutschen Universitäten zulässt.

Die wichtigsten Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Studie:

  • Hauptarbeitsfeld der Zentren für Lehrerbildung ist die Beratung, vor allem Praktikums- und Studienberatung. Individualberatung spielt die größte Rolle. An Berufungen, wenn auch größtenteils nur beratend, sind immerhin die Hälfte der befragten Zentren beteiligt.

  • Einbindung: In den Universitäten sind vor allem die Fachwissenschaften, Hochschulleitung und Studierende eingebunden. Mehr oder weniger gar nicht erfolgt der Einbezug der Fachdidaktiken. Außerhalb der Universitäten sind am häufigsten die Schulreferate bzw. Studienseminare eingebunden. Hier gilt es, die Verzahnung von Strukturen und Angeboten mit der zweiten Phase auszubauen.

  • Evaluation: Die (interne) Evaluation der Lehrerbildung nimmt zwar gesetzlich einen hohen Stellenwert ein. In der Praxis rangiert sie in der Prioritätenliste im unteren Bereich. Zur Sicherung einer hochwertigen Lehrerausbildung sind Evaluationen in regelmäßigem Turnus unumgänglich. Außerdem ist eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Zentren, Fachwissenschaften und Fachdidaktiken sowie der Allgemeinen Didaktik und den Bildungswissenschaften unabdingbar.

  • Weiterentwicklung: Ein weiterer zentraler Verantwortungsbereich sind die Entwicklung, Konzeption bzw. Weiterentwicklung der universitären Lehramtsausbildung. Nahezu alle befragten Zentren sind in diesen Bereich eingebunden, gefolgt von Koordinierungsaufgaben und begleitender Unterstützung.

  • Großer Entwicklungsbedarf liegt in den folgenden vier Bereichen:
    1. Verfügung über Ressourcen und deren Steuerung zur fachbereichsübergreifenden Vermittlung und ggf. externem Einkauf von qualifizierten Lehrangeboten
    2. Ausgestaltung der berufsbezogenen Curricula und Beschreibung der Kompetenzen
    3. Beratung bei der Erstellung und Novellierung von Prüfungs- und Studienordnungen
    4. Entwicklung und Koordination multimedialer Formen in der Lehrerausbildung


Befragt wurden bundesweit alle Zentren für Lehrerbildung mittels eines standardisierten Online-Fragebogens. Die Rücklaufquote lag bei mehr als 50 Prozent.


Hintergrund: Die Zentren für Lehrerbildung

Neben der starken Fragmentierung der Lehrerbildung in verschiedene, häufig
unverbunden nebeneinander stehende Ausbildungselemente und -phasen gilt
die oftmals fehlende organisatorische Verortung und institutionelle Veranke-
rung der Lehrerbildung als eines ihrer zentralen Probleme. Die Lehrerbildung
ist typischerweise nicht an einem eigenen Fachbereich bzw. einer eigenen
Fakultät organisiert, sondern "quer" dazu. Dies verursacht nicht nur einen
erheblichen Koordinierungsbedarf für die Organisation der lehrerbildenden
Studiengänge. Immer wieder ist festzustellen, dass die übergreifenden, spe-
zifischen Belange und Interessen der Lehrerbildung auch keine mächtige
Stimme haben.

Vor diesem Hintergrund hat eine von der Kultusministerkonferenz eingesetzte
Kommission unter Vorsitz von Prof. Dr. Ewald Terhart bereits 1999 empfohlen,
universitäre Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung zu gründen: "Die
Kommission empfiehlt die Einrichtung von wissenschaftlichen Zentren, (...) in
denen die Aspekte Lehre und Studium, Forschung, Beratungstätigkeit, Koordi-
nation und Serviceaufgaben im Rahmen der Lehrerbildung zusammengeführt
werden. Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung sollen als institutionelle
Verortung der Interessen und Belange der Lehrerbildung an Universitäten eta-
bliert und genutzt werden" (aus: Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland.
Abschlussbericht der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission.
Im Auftrag der Kommission hrsg. v. Ewald Terhart. Weinheim und Basel: Beltz
2000, S. 110).

Inzwischen gibt es mehr als 50 Zentren für Lehrerbildung an deutschen Univer-
sitäten. Insbesondere in den letzten Jahren konnte eine regelrechte Gründungs-
welle beobachtet werden. Zentrum ist allerdings nicht gleich Zentrum. Die beste-
henden Zentren unterscheiden sich teilweise erheblich, beispielsweise hinsicht-
lich ihrer Ausstattung, ihrer Aufgaben und Kompetenzen oder ihrer Governance-
struktur.